Versetze dich in Gottes Gegenwart
Franz von Sales schlägt in seinem Buch „Philothea“ vier Möglichkeiten vor, sich in die Gegenwart Gottes zu versetzen:
1.) Besinne dich auf die Gegenwart Gottes
Das erste Mittel ist das lebendige und aufmerksame Erfassen der Allgegenwart Gottes. Gott ist in allem und überall; es gibt keinen Ort und kein Ding, wo er nicht wirklich gegenwärtig wäre. Wohin die Vögel auch fliegen, finden sie die Luft, in der sie sich bewegen; so finden auch wir, wohin auch immer wir gehen, die Gegenwärtigkeit Gottes. Doch sind wir uns seiner Gegenwart oft nicht bewusst und tun so, als sei er weit von uns entfernt. Deshalb sollten wir das Bewusstsein seiner göttlichen Gegenwart vor unserem Gebet in unserer Seele erneuern, wie David etwa, der ausruft: „Steige ich hinauf in den Himmel – du bist da. Versteckte ich mich in der Totenwelt – selbst dort wärst du“ (Ps 139,8). Oder machen wir uns die Worte Jakobs zu eigen: „Wie außergewöhnlich ist dieser Ort. Wahrhaftig, der Herr ist hier und ich wusste es nicht“ (Gen 28,16f)!
2.) Besinne dich auf die Präsenz Gottes im Grunde deiner Seele
Das zweite Mittel, sich in seine Gegenwart zu versetzen, beruht auf dem Gedanken, dass Gott besonders deinem Herzen präsent ist, im Grund deiner Seele, gleichsam als Herz deines Herzens, als Seele deiner Seele. Wie deine Seele den ganzen Leib durchdringt und in allen Teilen deines Körpers gegenwärtig ist, so ist Gott in dir gegenwärtig. Deshalb nannte ihn David den Gott seines Herzens (Ps 73,26) und der hl. Paulus sagte: „In Gott leben wir, bewegen wir uns und sind wir“ (Apg 17,28).
3.) Besinne dich auf Jesus als Mittler zwischen Gott und Mensch
Er hat sein Leben für alle Menschen hingegeben, um sie mit Gott zu versöhnen. Als Menschensohn, der inzwischen in den Himmel ergoben ist, schaut er auf uns und sucht unsere Nähe. Er ist denen besonders nahe, die sich ihm und seiner Liebe vertrauensvoll öffnen. Wir sehen ihn mit unseren natürlichen Augen zwar nicht, doch sieht er uns, sodass wir mit der Braut im Buch „Hoheslied“ sprechen können: „Mein Freund … steht hinter der Wand unseres Hauses. Er schaut zu den Fenstern herein und blickt durch ihre Gitter“ (Hl. 2,9).
4.) Betrachte Jesus in seiner menschlichen Gestalt
Über ihm wurde der Name „Immanuel“ ausgerufen. Dieser Name bedeutet „Gott mit uns“. Nutze deine Vorstellungskraft und stelle dir vor, wie Menschen Gott begegnet sind, indem sie ihm begegnet sind. Entsprechende Textabschnitte aus den Evangelien können dich darin unterstützen. Die „Lectio Divina“ ist eine Form der geistlichen Betrachtung. Sie kann dir helfen, diesen Zugang regelmäßig zu nutzen.
Wähle aus diesen Zugängen die momentan passende Form. Wähle jeweils nur einen dieser Zugänge, um etwa eine Gebetszeit anzuschließen. Die ersten beiden Zugänge eigenen sich darüber hinaus auch für ein kurzes Innehalten im Laufe des Tages.
