unter deinem Blick – eine Meditation
Ich soll mich „aus seiner Hand empfangen“ und das auch noch „immerfort“?
Gehöre ich denn nicht mir selbst?
Und steht nicht bereits fest, wer ich bin oder was ich will?
Trotz meiner Einwände fasziniert mich der Gedanke,
dass da einer ist, der mich immerfort liebevoll anschaut
und ganz genau weiß, wer ich bin,
ohne mich abzulehnen,
ohne mich zu verachten.
Weil er mein Schöpfer ist,
weil er mich gewollt hat.
Und weil er mein Heil ist,
der mich befreit von dem,
was mich verbiegt, entstellt und versklavt.
Aber ist das wirklich meine Wahrheit und meine Freude?
Lebe ich aus seinem Blick?
Oder lebe ich unter dem Blick solcher,
die ihr eigenes Bild auf mich legen,
wie eine Last,
die ich nicht tragen kann,
weil sie unzufrieden sind mit mir,
weil sie mich gerne anders hätten?
Ja, mein Gott, mein Schöpfer und mein Heil.
Lehre mich in der Stille zu verstehen,
dass ich bin:
vor Dir,
durch Dich,
und für Dich.
© Ulrich Schlittenhardt
