Jesusgebet – Stillesein konkret
Überlege dir zunächst, wann und wo du täglich mindestens zehn Minuten ungestört sein kannst. Setze dich auf einen Stuhl, auf dem du gut, stabil und aufrecht sitzen kannst. In dieser Zeit geht es nicht um ein unbewusstes Dahindämmern, sondern darum, hellwach und aufmerksam zu sein.
Wenn du gerade sehr unruhig bist, kannst du deine Augen zunächst offen lassen. Aber schweife mit deinem Blick nicht umher, sondern lass ihn an einem Punkt ruhen – beispielsweise auf der Flamme einer Kerze. Du kannst den Raum, in dem du gerade sitzt, durchaus wahrnehmen, ohne dabei umherzuschweifen. Lass allmählich den Wunsch los, an irgendeinem anderen Ort zu sein oder etwas anderes tun zu wollen.
Sei ganz hier. Nimm deinen Körper wahr. Wie sitzt du da? Sind deine Muskeln an irgendeiner Stelle verspannt? Kannst du dich irgendwie entspannter hinsetzen, damit sich Verspannungen lösen können?
Lege deine Hände ineinander und lege sie auf deinen Schoß. Schließe deine Augen, um nunmehr deine Aufmerksamkeit nach innen zu richten. Nimm deinen Atem wahr und spüre, wie er langsam zur Ruhe kommt. Es geht hier nicht um eine besondere Atemtechnik, sondern nur um Wahrnehmung. Denn es ist unsere Wahrnehmung, die uns mit dem verbindet, was jetzt gerade ist. So wirst du allmählich gegenwärtig und empfänglich.
Wie geht es dir innerlich? Welche Gedanken und Gefühle treten in dein Bewusstsein? Wenn du eine allgemeine innere Unruhe spürst, nimm auch diese Unruhe nur wahr. Versuche nicht, sie zu ergründen oder in den Griff zu bekommen, sie zu leugnen oder sie zu beeinflussen.
Wenn dir bewusst wird, dass du abschweifst, kehre sanft zur Wahrnehmung des Atems zurück. Mit dem Ausatmen kannst du im Geist „Jesus“ sprechen und mit dem Einatmen „Christus“, um alles, was in dir vorgeht, mit ihm zu verbinden. Durch die Ausrichtung auf ihn wird Achtsamkeit zum Gebet. Verweile in dieser Gebetshaltung solange du willst.
Wenn eine solche Gebetsweise neu für dich ist, wirst du oft den Eindruck haben, dass du gerade Zeit verschenkt hast. Mache dir dann bewusst, dass du sie immerhin an Gott verschenkt hast. Du könntest deine Zeit wesentlich unsinniger vergeuden.
Aus diesen Elementen setzt sich das Jesusgebet also zusammen. Doch ohne tägliches Üben bleibt das nur Kopfwissen. Darum ermutige ich dich, einfach anzufangen – auch dann, wenn du noch vieles nicht verstehst. Einsicht entsteht, wenn du Wissen mit Erfahrung verbindest.
Wenn du zu üben beginnst, können dich die Texte auf dieser Website inspirieren und dazu ermutigen, dranzubleiben. Lies sie langsam und bedächtig – und vielleicht auch mehrmals. Denn viele dieser Texte sind nicht dazu gedacht, dein Wissen zu mehren, sondern dein Herz zu nähren.
