Meditation über die Stille

Stille. Nichtstun, scheidet die Geister, ein regelrechter Meister der Schwertkunst.

Stille, Nichtstun, weckt nicht schlafenden Hunde, erfindet das Rad nicht neu, sondern offenbart, was schon lange ward.

Stille, Nichtstun, sie zeigt, was schlummert schon lange, weit unter der Oberfläche. Komm in die Stille, vernimm den Schlag deines Herzens, höre deinen Atem, blicke deiner Freude, deinen Schmerzen ins Gesicht und fürchte dich nicht länger vor dem Nichts.

Stille, Nichtstun, Herausforderung, nahezu unüberwindbare Hürde. Mein erster Impuls: Würde sie am liebsten füllen mit lauter Musik, Hintergrundgeräuschen. Möchte diese unterträgliche Stille einfach nur verscheuchen.

Stille, Nichtstun, bist mein Feind. Offenbarst alles Leid. Offenbarst die Leere meines Herzens. Stille, du bist so unblaublich schwer zu ertragen. Wag‘ es kaum dich anzuschauen. Bist mir so fremd, kenn dich kaum.

Stille. Nichtstun. Lohnt es sich, deine Gegenwart zu suchen? Wieso freiwillig nach der Leere suchen, nach dem sterilen Raum, in dem ich kaum Ruhe finde. Denn in der Stille ist es alles andere als still. Will Ruhe, Frieden finden, doch stattdessen wird alles laut, alles schreit, was ich sonst im Zaum halte. Genau dem verleiht die Stille die Stimme.

Stille. Nichtstun. Bist der Anfang des Endes und mein größter Schatz zugleich. Zeigst mir, was bleibt, wenn alles andere weicht.

Stille. Nichts tun. Einerseits ertrage ich dich kaum. Deine Gegenwart macht mir Angst, lässt mir keinen Raum zum Atmen. Doch ebenso möchte ich dir mitten ins Gesicht sehen, dir begenen, dich anschauen, möchte anhalten, was mich hetzt, was mich antreibt. Möchte sehen, schauen und auf das setzen, auf das bauen, das in der Stille bleibt.

Stille. Nichtstun. Bist schier wie eine Bestandsaufnahme. Die Inventur meines Lebens. Zeigst mir das Ergebnis meiner Mühen, meines Strebens.

Stille. Nichtstun. Doch am Ende, unterm Strich, bist genau du mein Freund. Denn in diesem stillen Sturm, der tobt, wartet der auf mich, der den Sturm stillt.

Du Gott, mein Schöpfer, warst weder im Erdbeben noch im Donner, das leichte Säuseln, bist der Hauch, der Wind, der mich umhüllt. Der, der die Stille, die Leere mit Leben füllt.

Komm in die Stille. Vernimm den Schlag deines Herzens. Höre deinen Atem. Blicke deiner Freude, deinen Schmerzen ins Gesicht und fürchte dich nicht länger vor dem Nichts.

Jessica Blöcher

schauen und hören auf Youtube

 

Für dich vielleicht ebenfalls interessant …