Unsere Welt dreht sich scheinbar immer schneller. Eine Krise jagt die nächste, und wir sind unablässig damit beschäftigt, unsere vielen Probleme so gut es geht zu managen. Es scheint, als hätten wir alle Hände voll zu tun, die Welt zu retten – selbst wenn es nur unsere eigene ist.
In einer solchen Lage klingt „Stillesein“ wie ein Luxus, den man sich nicht leisten kann. Wir meinen, unsere kostbare Zeit nicht mit „Stillesein“ vergeuden zu dürfen. Also verdoppeln wir lieber unsere Geschwindigkeit, statt unserem Leben Richtung zu geben.
Doch was bedeutet „Stillesein“ überhaupt? Der Begriff wirkt, als stamme er aus einer anderen Zeit. Selbst die Rechtschreibprüfung meiner Textverarbeitung schlägt Alarm: „Diese Schreibweise ist unbekannt. Bitte überprüfen Sie die Rechtschreibung dieses Wortes.“
Dabei habe ich den Begriff dem meistverkauften Buch aller Zeiten entnommen. Zugegeben, er verdankt seine Form einer längst vergangenen Epoche. Doch schon damals waren Menschen so unruhig und haltlos, dass sie meinten, sich Stillesein nicht leisten zu können. Die Angst vor einem Krieg trieb sie um. Trotzdem war Jesaja – ein bedeutender Prophet Israels – kühn genug, dem Volk zuzurufen: „Durch Stillesein und Vertrauen würdet ihr stark sein.“
Obwohl der Begriff aus der Mode gekommen ist, fasziniert mich die Verschmelzung der Worte „Stille“ und „Sein“. Stille gäbe es auch ohne mich – Stillesein jedoch nicht. Stillesein kann ich nur, wenn ich bereit bin, zur Ruhe zu kommen – so, wie ich jetzt gerade bin.
Jesaja verknüpft den Zustand des Stilleseins mit einer vertrauensvollen Grundhaltung. Im hebräischen Originaltext steht dafür ein Begriff, den Martin Luther mit dem deutschen Wort „harren“ wiedergegeben hat. Wie viele hebräische Begriffe ist auch dieser mit einem Bild verknüpft. Der Bauchraum gilt im Hebräischen als Sitz der inneren Betrachtung und der Emotionen. Noch vor gar nicht allzu langer Zeit sprach man auch bei uns davon, dass eine Frau in freudiger Erwartung ist, wenn bei ihr eine Schwangerschaft festgestellt wurde.
In „Stillesein und Harren“ wird also eine bejahende Lebenshaltung kultiviert. Hoffnungsvolle Erwartungen werden genährt: Dankbarkeit, Vertrauen, Vorfreude, das Leben willkommen heißen und es annehmen.
Willst du diese Lebenshaltung einüben? Dann lade ich dich ein, zunächst die einleitenden Texte auf dieser Website zu lesen – und zu prüfen, inwiefern dich die hier angebotenen Inhalte dabei unterstützen können.
