Die unnütze Stille
Wer in seine Ruhe eingegangen ist, der ruht auch von seinen Werken.
Hebräerbrief 4,10
Wenn wir steile, schmale Wege gehen – eine Bergtour im Klettersteig –, dann sollten wir nicht laufen, als seien wir auf einer Tartanbahn. Wir sollen in den Lebensaufgaben nicht vergessen, uns dankbar niederzulassen mit einem Blick über die Weite der bewältigten Etappen.
Wir ermüden, wenn wir unserer Seele Dank und Wertschätzung vorenthalten. Lebenszweifel sind ja meist keine Folge schwacher Überzeugungen, sondern der erschöpften Seele.
Die Weisheit der Lebensregeln sagt: Du sollst feiern, und du sollst ruhen.
Zu beidem wird die erschöpfte Seele nicht mehr fähig sein. Sie hat es verlernt,
da sie zu lange unserer Härte ausgeliefert war.
Dass wir unseren Selbstwert nur fühlen, wenn wir etwas Nützliches tun,
ist die Krankheit der Ruhelosigkeit.
Wirkliche Ruhe bedeutet, in der Unwirksamkeit glücklich zu sein.
Das heißt: Wirkliche Stille erlernen wir nur, wenn sie uns nicht dienen muss.
Segnende Kraft liegt nur in einer Stille, der es nicht um unseren Nutzen,
sondern um unsere Würde geht:
Ich komme nicht zur Ruhe, damit ich hernach wieder fit für die Aufgaben bin,
sondern weil ich sonst nicht in meinem Leben bin.
nach Martin Schleske in Werk|zeuge, bene!-Verlag, S. 307
