das Ziel meiner Entdeckungsreise
Das Ziel meiner Entdeckungsreise ist nicht die Stille selbst. Ich will vielmehr vertraut werden mit dem, der mich gewollt und gemacht hat. Jesus hatte ein so vertrautes Verhältnis zu ihm, dass er ihn seinen „himmlischen Vater“ nannte. Jesus hat seine Jünger an diesem Verhältnis teilhaben lassen. Mit dem „Vaterunser“ hat er sie eingeladen, selbst ein solches Verhältnis aufzubauen.
Seine Worte öffnen einen Horizont und vermitteln eine Idee von dem, was Beten ist. Doch Worte sind wie Wegzeichen. Sie sind nicht das Verhältnis selbst. Denn ein Verhältnis ist durch Vertrauen und Hingabe lebendig und gründet in dem Bewusstsein, angenommen und geliebt zu sein.
Deshalb hat Jesus nicht nur über Gebet gelehrt. Er hat es auch vorgelebt. Wenn er sagt „ich und der Vater sind eins“, wird deutlich, dass sich seine innere Verbundenheit mit dem himmlischen Vater in seinem Reden und seinem Tun ausdrückt. In den Jesusbiografien (den Evangelien) betonen seine Jünger immer wieder, dass sich Jesus häufig in die Stille zurückgezogen hat, um mit seinem Vater im Himmel allein zu sein.
Wie hat er wohl in dieser Verborgenheit gebetet? Keiner von uns war dabei! Doch er wird nicht viele Worte gebraucht haben, sagt er doch seinen Jüngern: „Wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden.“ Das hat er an der Stelle gesagt, an der er auch das „Vaterunser“ eingeführt hat, nämlich in der Bergpredigt – seinem Grundsatzprogramm. Er wollte ihnen nicht viele, sondern wesentliche Worte mitgeben. Davon abgesehen lehrte er sie im Rahmen einer Kultur, in der „Stillesein“ bereits ein hoher Wert war (Sabbatkultur).
Mit diesem Onlineangebot möchte ich dich einladen, auf den Geschmack des „Jesusgebets“ zu kommen, das sich in der christlichen Tradition schon früh nachweisen lässt. Es wird auch Gebet der Sammlung, Herzensgebet, Ruhegebet oder Stillegebet genannt. In der christlichen Tradition spricht man zusammenfassend von „Kontemplation“, einer christlichen Variante dessen, was viele Zeitgenossen „Meditation“ nennen würden.
Ich persönlich bevorzuge den Begriff „Jesusgebet“, um die Praxis zu charakterisieren, die sich bei mir im Laufe der Jahre entwickelt hat. Als übergeordneten Begriff bevorzuge ich den aus dem Alten Testament stammenden Ausdruck „Stillesein“. Den Begriff „Meditation“ verstehe ich in Anlehnung an die christliche Tradition im Sinne eines nachsinnenden Innehaltens beim Betrachten biblischer Worte oder Begriffe.
